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25 October 2010

Chris (Germany)

Diese Story liegt nur auf Deutsch vor.

Blau und weiß ein Leben lang…

Ich bin Schalker. Und das nun schon seit den frühen 70ern. Als Schalkefan hat man es nicht leicht. Man muss leidensfähig sein. Die schönen Momente halten sich die Waage mit den bitteren Erlebnissen.

Aber würde ein Schalker mit den Fans eines anderen Vereins tauschen wollen?

NIEMALS !

Nee, ich war noch nicht Meister mit den Blauen, ich hatte auch noch nicht das Glück in der Zeitung zu lesen: „Schalke ist schuldenfrei!“,

und natürlich habe ich mich auch schon über das „Söldnertum im Profifußball“  geärgert. Aber Schalkefan wird man nicht wegen der Sucht nach Erfolgen, sondern wegen der Faszination Schalke. Es ist diese bedingungslose Leidenschaft für den Club, für die Region, für die Menschen hier. Schalker halten zusammen, Schalker stehen mit 104%iger Leidenschaft hinter ihrem Club. Wer einmal diesen Virus inhaliert hat, der wird ihn nicht mehr los. Das Königsblau wird zur Herzensangelegenheit. Schalker wechseln ihre Leidenschaft nicht, es gibt keine Teilzeit-Schalker. Blau-und Weiß gibt es nur als Fulltime-Job.

„Blau und Weiß, ein Leben lang….“ – besser kann man es nicht zusammenfassen.

Dieses Lebens-Gefühl gibt es in München, Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg etc. nicht. Die Anhänger solcher Fußballclubs kann man mit Schalkefans gar nicht vergleichen. Viele rennen den Vereinen mit den meisten Erfolgen hinterher und packen ihre Fan-Klamotten sofort weg, wenn es mal nicht so rund läuft. Diese Leute werden dass wahnsinnige Gefühlsleben eines Schalkers nie begreifen. Das Stadion-Publikum dort besucht ein Event während einer Städtereise. Im Ruhrpott aber wird der Fußball gelebt. Selbst unsere uringelben Nachbarn sind mir da noch lieber, da sie, genau wie wir, den Fußball mit Leidenschaft erleben. Was allerdings nichts daran ändert, dass es nichts Schöneres gibt, als die Zecken zu schlagen.

Mich packte der königsblaue Virus irgendwann in den frühen 70ern. Mit meinem Fußballverein, der SG Langenbochum, ging es zu einem Spiel auf Schalke im neuen Parkstadion. Es war mein erster Besuch in der großen Welt des Fußballs. Bisher kannte man das alles nur aus der Sportschau, die man immer Samstags mit Papa zusammen geguckt hat. Unsere Jugendmannschaft war begeistert, das wollten wir öfter erleben. Fortan fuhren wir mit dem Fahrrad von Herten nach Gelsenkirchen, krochen unter Zäunen durch, hangelten uns in den Graben runter und kletterten im anderen Block wieder raus. Wir erlebten die Ära von Norbert Nigbur, Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Aki Lütkebohmert, Rolf Rüssmann und den Kremers-Zwillingen live mit. Schalke war ein Teil meines Lebens geworden. Haben die Blauen verloren, war das Wochenende gelaufen. Das hat sich bis heute übrigens nicht geändert.

Natürlich sind wir auch in die Glückauf-Kampfbahn geradelt, um nach einer Trainingseinheit der Profis Autogramme zu ergattern. Bei einem dieser Versuche hätte ich fast erheblichen gesundheitlichen Schaden erlitten. Wir waren zu Dritt beim Training, ich hatte meine neue, tolle sehr bunte „Papierjacke“ an. Was leider keinem aufgefallen war und wir erst in GE von einigen Hardcore-Schalkern mitgeteilt bekommen haben, war das kreisrunde Logo vorne rechts auf meiner Jacke. Da stand doch tatsächlich um den Löwenkopf herum der Name des auch damals schon ungeliebten Nachbarn aus der Nähe von Lüdenscheid.

In letzter Sekunde gelang uns die Flucht. Wir waren mit unseren Rädern schneller als der Mob. Die Jacke fristete fortan ein tristes Dasein in der hintersten Ecke meines Kinderzimmer-Kleiderschranks.

Im Laufe der Jahre haben wir natürlich alle bitteren Momente der Blauen durchlebt. Die Abstiege in den Achtzigern, die ständige Angst vor der Vereinspleite, die Notverkäufe von Wolfram Wuttke und Rolf Rüßmann, den Beinbruch von Klaus Fischer etc. Insbesondere mit dem Beginn meiner Berufsausbildung in Bochum, direkt vor dem Eingang des Ruhrstadions an der Castroper Straße, begann eine harte Zeit. Umgeben von VfL-Anhängern war ich der Einzige, der seine Stube in königsblau geflaggt hatte. Umso bitterer waren die 0:6 und 2:5 Klatschen gegen Bochum in dieser Zeit. Solche Phasen prägen einen Schalker …

Natürlich haben wir auch die schönen Momente genossen. Die unbeschreibliche Nacht von Mailand, als wir mit vier Personen auf meiner Sitzschale gestanden und gezittert haben, die Aufstiegsfeiern im Parkstadion, die Pokalsiege in Berlin.

Ach ja, im Jahr 2001 war ich übrigens deutlich länger als die genannten 4 Minuten Deutscher Meister. Ich gelangte nach dem 5:3 gegen Unterhaching von der Gegengerade direkt aufs Spielfeld und rollte siegestrunken durch den Mittelkreis. Leider gehörte ich zu den Wenigen, die keinen Blick für die Anzeigetafel frei hatten. So bemerkte ich die hässlichste aller Bundesliga-Nachspielzeiten leider erst erheblich später. Immerhin habe ich das Gefühl der Meisterschaft dadurch deutlich länger genießen dürfen.

Insgesamt kann man von einem normalen Schalker Leben in der ständigen Achterbahnfahrt der Gefühle sprechen.

Und ich möchte keine Sekunde missen, das ist Schalke…